Anna, Mascha und Julia
(K)ein Stück von Tschechow / Jahrgangsinszenierung
© Judith Buss
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„Wenn du im ersten Akt eine Pistole platzierst, dann muss im dritten Akt ein Schuss fallen“, diesen Rat gab Anton Tschechow einmal einem Schriftstellerkollegen. Tatsächlich bringt sich in den Stücken Tschechows häufig eine der Figuren um, oder versucht, jemand anderen zu erschießen – immer die männlichen Figuren. Und obwohl die Texte von Anton Tschechow von vielen unterschiedlichen Figuren mit individueller Tiefe bevölkert sind, stehen die Frauen meist neben den Männern namens Iwanow, Trigorin oder Wanja im Rampenlicht. In der Jahrgangsinszenierung der Otto Falckenberg Schule werden sie mehr in den Blick genommen: Nina, Anna, Mascha, Sonja – ihre individuellen Sehnsüchte, Ängste und Beschränkungen setzen sich auf der Bühne in ein neues Spannungsverhältnis.
Die Geschwister Mascha Tschechowa und Anton Tschechow nehmen das Publikum mit auf eine Wanderung durch Tschechows Werk. Das menschliche Leben bis in die alltäglichsten Details ausleuchtend, untersucht Anton Tschechow das Individuum mit seinen Träumen und Schwächen, das Scheitern in der eigenen Biografie.
Kurz vor ihrem Schauspielabschluss setzen sich die Studierenden des 3. Schauspieljahrgangs der Otto Falckenberg Schule ins Verhältnis zu den Figuren: Was bedeutet es, zu schwach zu sein, um das Leben zu leben, von dem man träumt? Wie steht es um Abhängigkeiten, wie schafft man es loszugehen? Werde ich das richtige Leben gelebt haben? Lizzy Timmers ist Performerin und Regisseurin und war bis 2024 künstlerische Co-Leiterin am Theaterhaus Jena. Durch ihre Arbeitsweise schafft sie es, die individuellen Interessen und Fähigkeiten aus den Spielenden hervorzuholen und sie zu einer humorvollen und ansteckenden szenischen Reise zu verbinden.
In einem temporeichen Best-of spielen sich die elf Darstellenden des Abschlussjahrgangs in der Therese-Giehse-Halle der Kammerspiele durch das Werk des russischen Dramatikers: ein dichtes Labyrinth unerfüllter Liebesbeziehungen, Sehnsüchte und Zukunftsängste. „Anna, Mascha und Julia“ heißt der energetische Abend, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Figuren auszuleuchten, die bei Tschechow im Verborgenen bleiben. […] Unter der Regie von
Lizzy Timmers wälzt der Abschlussjahrgang das Repertoire um, füllt Lücken mit eigenen Texten und setzt Zäsuren. […] Die Stärke des Abends liegt in der schauspielerischen Präzision. […] Immer wieder positionieren sich die talentierten Spielerinnen und Spieler im Schwarm um das Bühnenpodest und werden
selbst zum Publikum ihrer verworrenen Szenen: Was, wenn die Zukunft noch vor einem liegt und sich das Leben doch schon verbraucht anfühlt? Ist das, was ich tue, Beruf oder Berufung? Vielleicht, so zeigt dieser aufrüttelnde Abend, hilft gegen die Angst vor dem Scheitern vor allem eines: der Mut zur Lücke.
Süddeutsche Zeitung, Ella Rendtorff, 16.02.2026
